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Kommentar zum Heise-Kommentar

Auf heise.de erschien heute (21. Oktober 2016), ein Kommentar mit dem Titel “Beratung im Einzelhandel wird vollkommen überbewertet“. Ein sehr passender Artikel für meinen Blog, dachte ich mir. Hätte man auch hier veröffentlichen können. 🙂

Mögen die Erfahrungen des Heise-Autors nur eine Einzelerfahrung sein, so machen sie wieder mal deutlich, dass der Einzelhandel in Deutschland ein großes Problem hat. Denn gute Beratung und guter Service ist echt Mangelware: Im verlinkten Artikel wird beschrieben, wie schwierig der Kauf von speziellen Wanderschuhen für den Autor in einem Fachgeschäft war. So wurden ihm Schuhe verkauft, die bereits nach kurzer Zeit sehr schmerzhaft waren. Er wusste genau, was er wollte, und trotzdem wurde ihm etwas anderes verkauft. Erst in einem 80 Kilometer entfernten Fachgeschäft wurde er schließlich gut beraten. Schön, dass er zum Schluss noch auf die Möglichkeit hinweist, dass man Schuhe in bestimmten Läden auch online bestellen und zum Geschäft schicken lassen kann, um sie dort auszuprobieren.

Wie üblich geht es anschließend im Heise-Kommentarbereich hoch her und die User überschlagen sich mit ihren Negativberichten zu den Erfahrungen im Einzelhandel. Ich würde mal sagen, nur betroffene Hunde bellen – jemand der gut beraten wurde, wird seine Erfahrung hier wohl kaum teilen.

So habe ich vor kurzem von zwei Bekannten gehört, dass sie in einem großen Frankfurter Outdoor-Geschäft von einem Berater beim Kauf eines Wander-Rucksacks mega-gut beraten wurden. So gut, dass sie es nicht übers Herz brachten, den Rucksack später online zu kaufen (wie es geplant war), sondern doch direkt im Laden. Auch wenn es teurer war.

Bei mir war es statt dessen wieder anders. Ich habe seit kurzem ein neues Smartphone, welches ich auch vor Ort gekauft habe. Ein Verkäufer im Geschäft wollte mir dabei weismachen, dass das Gerät, für das ich mich interessierte, komplett wasserdicht sei. Nachweislich war es das aber nicht, wie die Spezifikationen vom Hersteller zeigten – und das wusste ich auch. In einem anderen Geschäft wurde ich später fündig und habe mich für ein neues Telefon entschieden. Allerdings war mein Wunschgerät nicht vorrätig und man sagte mir, mit etwas Glück wird es am nächsten Tag geliefert. Wurde es aber nicht. Wäre es da nicht nett, wenn man mir per SMS oder Anruf mitgeteilt hätte, dass sich die Lieferung um einen Tag verzögert? Meine Telefonnummer war dem Verkäufer bekannt. Mich hat es jedenfalls schon genervt, nicht zu wissen, ob das Telefon nun abholbereit war, oder nicht. Kauft man online, gibt es doch auch immer eine Sendungsverfolgung. Das ist heute Standard. *grummel*

Telefon kaputt - ein neues musste her.

Telefon kaputt – ein neues musste her.

Was ich hier aber eigentlich sagen wollte, ist aber was völlig anderes: Viele Leute (und auch ich) beklagen sich ja häufig über die Inkompetenz von Verkäufern in Geschäften. Aber oft wird diese Tatsache ins Feld geführt, wenn insgesamt gegen den Fachhandel argumentiert wird. Dabei kann man doch gar nicht alle Verkäufer über einen Hut Kamm scheren. Genauso, wie es schlechte gibt, gibt es auch gute.

Das Kiezkaufhaus in Wiesbaden

Die Wiesbadener haben seit einiger Zeit etwas, dass ich auch gerne mal ausprobieren würde: Den Online-Shop “kiezkaufhaus” für Waren von mittlerweile mehr als 20 Wiesbadener Einzelhändlern, Herstellern und Erzeugern.

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Ein schickes Lastenrad vom Kiezkaufhaus (Quelle: Kietzkaufhaus Facebook-Seite)

Bestellt man etwas auf http://www.kiezkaufhaus.de, so packt der betreffende Händler die Ware(n) in eine stabile Stofftasche, die dann von einem Fahrradkurier abgeholt und zu einem zentralen Büro gebracht  wird. Dort werden Taschen für jeden einzelnen Kunden fertig gepackt und diese mit dem Rad zum Kunden gebracht. Wer bis 14 Uhr bestellt, bekommt seine Lieferung noch am gleichen Tag.

Die Idee ist super und ich würde sie unheimlich gern unterstützen. Denn die Vorteile, die sich durch das Projekt ergeben, liegen auf der Hand (Zitat vom Kiezkaufhaus):

  • Gut für’s städtische Leben
    Fachgeschäfte prägen den Charme der Innenstadt und es gilt, sie zu erhalten. Leider haben viele von ihnen in den letzten Jahren geschlossen. Den frei gewordenen Platz haben sich dann oft Ketten erobert, die mitunter wenig zur individuellen Stadtgestaltung beitragen. Kaufen wir online bei lokalen Händlern, bleibt der Umsatz in unserer Stadt.
  • Gut für die Stadt-Finanzen
    Mehr als 500 000 Euro gehen einer Stadt in der Größenordnung Wiesbadens verloren, weil durch den Distanz-Handel die Gewerbesteuer nicht in der Stadt bleibt. Dabei sind weitere ökonomische Aspekte wie zum Beispiel Arbeitsplätze, die im Einzelhandel entstehen oder wegfallen noch nicht berücksichtigt.
  • Gut für die Umwelt
    Durch die Auslieferung mit Cargo-Bikes anstelle von Kleintransportern wird der Straßenverkehr entlastet und die Umwelt geschont. Laut einer EU-Studie könnten potentiell 51 Prozent des innerstädtischen Lieferverkehrs mit Lasten-Fahrrädern erfolgen. Neben einer besseren CO2-Bilanz schlägt sich das natürlich auch auf den Umfang der Luftverschmutzung nieder.

Die Lieferpauschale beträgt gerade mal 5 Euro. Das kann man wirklich verkraften, finde ich, und man spart sich mit dem Lieferdienst auch das Park-Ticket für den dicken SUV. 🙂 Win-Win, würde ich sagen. Die erste Lieferung ist sogar versandkostenfrei.

Wie es funktioniert

Was es zu kaufen gibt – mir läuft das Wasser im Mund zusammen – aber es gibt auch diverse Non-Food Artikel.

Kiezkaufhaus Facebook-Seite

„Tante Emmas Facebook Page“

Für kleine und mittelständige Unternehmen ist Kundenbindung im Internet keine einfache Aufgabe. In dem interessanten Artikel vom BIEG Hessen über Tante Emmas Facebook Page werden interessante und wichtige Tipps für Unternehmen gegeben, die sich diesen Schritt ins soziale Netz überlegen.

In unserer Stadt gibt es leider genug Geschäfte, die schon bei der Gestaltung ihrer Schaufenster einiges an Nachhilfe-Unterricht benötigen. Neben defekten Tastaturen in der Auslage im IT-Geschäft gibt es andere, bei denen die Werbung auf selbstbeschriebenen DIN-A4 Zetteln ins Fenster gehängt wird. Schönschrift? Kommt nicht in Frage. Hübsche Verzierungen? Denkste! Jeden Tag, an dem ich dort vorbei komme, schüttelt es mich. Da können die Produkte noch so hochwertig sein, wenn das Schaufenster lieblos gestaltet ist, hat der Laden für mich verloren. In so einem Fall sollten die Ladenbesitzer eine eigene Internet- bzw. Facebookseite erst mal ganz nach hinten stellen.

Im Internet kann man sich dabei vor guten Anleitungen zur Schaufenstergestaltung kaum retten. Hier ein paar Beispiele:

… etc.

Vielleicht werfe ich so einen Linktipp in den Briefkasten des betreffenden Ladens? Manche Leute muss man ja hin und wieder zu ihrem Glück zwingen.