Category: Shopping

Warum gehe ich eigentlich noch einkaufen?

Das habe ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten oft gefragt. Im Laden bekommt man ja auf die Schnelle eigentlich nie genau das Produkt, welches man sich vorgestellt hat. Die Preise sind meistens höher als im Internet. Man muss persönlich rausgehen, wobei das Wetter es auch nicht immer gut mit einem meint. Bestellte Ware muss man selber abholen. Die Beratung ist oftmals unter aller Sau, und Garantiefälle werden im Internet schon lange sehr viel verbraucherfreunlicher bearbeitet. In einem realen Geschäft einkaufen gehen – warum tu ich mir das eigentlich noch an? Hä?

Auch andere Dinge sprechen für das Internet. Dinge, die mich nicht direkt betreffen. Ein nicht vorhandener Laden zum Beispiel kann nicht überfallen werden. Jeder geschlossene Laden ist wohl auch gut für die Umwelt, da ja kein Strom für Belüftung oder Schaufensterbeleuchtung verbraucht wird. Lieferwege der Ware zum Händler entfallen. Stattdessen kommt die online-Lieferung direkt bis zu meiner Haustür. Mit einem Postauto, welches ja eh ständig unterwegs ist. Meistens jedenfalls.

Für mich persönlich ergeben sich eigentlich nur zwei Gründe, warum ich Produkte bevorzugt lokal kaufe: Erstens haben wir in Deutschland noch kein bedingungsloses Grundeinkommen. Das heißt, mit meinem Einkauf unterstütze ich Menschen, die tagtäglich ihren Hintern aus dem Bett heben und arbeiten gehen. Sie haben hoffentlich am Ende des Monats so viel Geld eingenommen, dass sich die Arbeit für sie lohnt. Wer hier mit den Augen rollt, und meint, die Realität sieht ja ganz anders aus, der sollte sich vielleicht mal fragen, wann er das letzte mal beim Metzger oder beim lokalen Gemüsehändler einkaufen war. Oder wo er seine Weihnachtsgeschenke eingekauft hat.

Der zweite Grund ist, dass auf den Gewinn des Geschäfts, in dem ich einkaufe, eine Gewerbesteuer anfällt. Diese Gewerbesteuer wird an das Finanzamt meiner Stadt abgeführt, sofern das Geschäft hier seinen Sitz hat. Nur mal als Beispiel: Kaufe ich mein neues Fahrrad bei einem lokalen Händler, dann bleibt ein Teil seines Verkaufsgewinns in meiner Gemeinde. Kaufe ich das Fahrrad bei einem Discounter, dann bleibt sehr wahrscheinlich von dem selben Gewinn nur ein kleinerer Teil in meiner Gemeinde, weil die Gewinne erst mal zur Hauptzentrale des Discounters angerechnet werden. Anschließend wird die Steuer nach einem bestimmten Schlüssel auf alle beteiligten Gemeinden verteilt. Da dieser Schlüssel unter anderem vom Einkommen der Beschäftigten abhängt, ist es sehr wahrscheinlich, dass meine Stadt von meinem Fahrradkauf nicht so viel hat, wie beim Kauf des Rades beim Händler. Zu guter Letzt: Ich kaufe mein Rad bei einem Online-Händler. Hier hat meine Gemeinde gar nichts von meinem Kauf. Denn der Firmensitz kann sonstwo sein. In Buxtehude, auf den Cayman Inseln, in Wolmirstedt, oder auch in Luxemburg. Aber meist ist er nicht hier. In meiner Stadt.


Aber hier, wo ich lebe, da nutze ich auch die vorhandene Infrastruktur. Hier bin ich auf Busse und Bahnen und Straßen angewiesen. Hier möchte ich mich sicher fühlen. Und ich möchte, dass man mir hier ein breites Angebot an Kultur und Sport bereitstellt. Auch Vereine werden durch die Kommunen gefördert. Dies alles kostet Geld, welches irgendwoher kommen muss: Unter anderem aus der Gewerbesteuer.


Für mich hat der Einkauf bei lokalen Händlern vor allem eine sozial-gesellschaftliche Komponente. Ich will mit diesem Post niemand in die Ecke stellen und sagen, er wäre unsozial, wenn er im Internet oder beim Discounter einkauft. Oft bekommt man ja auch nur im Internet bestimmte Produkte, die unter guten ökologischen und sozialen Aspekten hergestellt wurden. Aber ich würde mir wünschen, dass sich der ein oder andere für die Zukunft vornimmt, nicht immer gleich bei Aldi, Amazon und Co. zuzuschlagen, nur weil es dort wieder mal ein besonderes Angebot gibt. Überlegt, ob ihr ab jetzt vielleicht einmal alle paar Monate den Wocheneinkauf beim Discounter durch einen den Einkaufsbummel in eurer Stadt ersetzt. Ja, es ist teurer. Aber letztlich kommt es euch selbst und eurer Stadt zugute, wenn ihr euer Geld bei lokalen Händlern in eurer Gegend ausgebt.

Das Internet macht einem die Suche zum Glück sehr leicht. Solange der Preis für ein Produkt noch angemessen ist, kann man doch auch einfach mal über seinen Schatten springen und lokal einkaufen.

Kommentar zum Heise-Kommentar

Auf heise.de erschien heute (21. Oktober 2016), ein Kommentar mit dem Titel “Beratung im Einzelhandel wird vollkommen überbewertet“. Ein sehr passender Artikel für meinen Blog, dachte ich mir. Hätte man auch hier veröffentlichen können. 🙂

Mögen die Erfahrungen des Heise-Autors nur eine Einzelerfahrung sein, so machen sie wieder mal deutlich, dass der Einzelhandel in Deutschland ein großes Problem hat. Denn gute Beratung und guter Service ist echt Mangelware: Im verlinkten Artikel wird beschrieben, wie schwierig der Kauf von speziellen Wanderschuhen für den Autor in einem Fachgeschäft war. So wurden ihm Schuhe verkauft, die bereits nach kurzer Zeit sehr schmerzhaft waren. Er wusste genau, was er wollte, und trotzdem wurde ihm etwas anderes verkauft. Erst in einem 80 Kilometer entfernten Fachgeschäft wurde er schließlich gut beraten. Schön, dass er zum Schluss noch auf die Möglichkeit hinweist, dass man Schuhe in bestimmten Läden auch online bestellen und zum Geschäft schicken lassen kann, um sie dort auszuprobieren.

Wie üblich geht es anschließend im Heise-Kommentarbereich hoch her und die User überschlagen sich mit ihren Negativberichten zu den Erfahrungen im Einzelhandel. Ich würde mal sagen, nur betroffene Hunde bellen – jemand der gut beraten wurde, wird seine Erfahrung hier wohl kaum teilen.

So habe ich vor kurzem von zwei Bekannten gehört, dass sie in einem großen Frankfurter Outdoor-Geschäft von einem Berater beim Kauf eines Wander-Rucksacks mega-gut beraten wurden. So gut, dass sie es nicht übers Herz brachten, den Rucksack später online zu kaufen (wie es geplant war), sondern doch direkt im Laden. Auch wenn es teurer war.

Bei mir war es statt dessen wieder anders. Ich habe seit kurzem ein neues Smartphone, welches ich auch vor Ort gekauft habe. Ein Verkäufer im Geschäft wollte mir dabei weismachen, dass das Gerät, für das ich mich interessierte, komplett wasserdicht sei. Nachweislich war es das aber nicht, wie die Spezifikationen vom Hersteller zeigten – und das wusste ich auch. In einem anderen Geschäft wurde ich später fündig und habe mich für ein neues Telefon entschieden. Allerdings war mein Wunschgerät nicht vorrätig und man sagte mir, mit etwas Glück wird es am nächsten Tag geliefert. Wurde es aber nicht. Wäre es da nicht nett, wenn man mir per SMS oder Anruf mitgeteilt hätte, dass sich die Lieferung um einen Tag verzögert? Meine Telefonnummer war dem Verkäufer bekannt. Mich hat es jedenfalls schon genervt, nicht zu wissen, ob das Telefon nun abholbereit war, oder nicht. Kauft man online, gibt es doch auch immer eine Sendungsverfolgung. Das ist heute Standard. *grummel*

Telefon kaputt - ein neues musste her.

Telefon kaputt – ein neues musste her.

Was ich hier aber eigentlich sagen wollte, ist aber was völlig anderes: Viele Leute (und auch ich) beklagen sich ja häufig über die Inkompetenz von Verkäufern in Geschäften. Aber oft wird diese Tatsache ins Feld geführt, wenn insgesamt gegen den Fachhandel argumentiert wird. Dabei kann man doch gar nicht alle Verkäufer über einen Hut Kamm scheren. Genauso, wie es schlechte gibt, gibt es auch gute.

Das Kiezkaufhaus in Wiesbaden

Die Wiesbadener haben seit einiger Zeit etwas, dass ich auch gerne mal ausprobieren würde: Den Online-Shop “kiezkaufhaus” für Waren von mittlerweile mehr als 20 Wiesbadener Einzelhändlern, Herstellern und Erzeugern.

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Ein schickes Lastenrad vom Kiezkaufhaus (Quelle: Kietzkaufhaus Facebook-Seite)

Bestellt man etwas auf http://www.kiezkaufhaus.de, so packt der betreffende Händler die Ware(n) in eine stabile Stofftasche, die dann von einem Fahrradkurier abgeholt und zu einem zentralen Büro gebracht  wird. Dort werden Taschen für jeden einzelnen Kunden fertig gepackt und diese mit dem Rad zum Kunden gebracht. Wer bis 14 Uhr bestellt, bekommt seine Lieferung noch am gleichen Tag.

Die Idee ist super und ich würde sie unheimlich gern unterstützen. Denn die Vorteile, die sich durch das Projekt ergeben, liegen auf der Hand (Zitat vom Kiezkaufhaus):

  • Gut für’s städtische Leben
    Fachgeschäfte prägen den Charme der Innenstadt und es gilt, sie zu erhalten. Leider haben viele von ihnen in den letzten Jahren geschlossen. Den frei gewordenen Platz haben sich dann oft Ketten erobert, die mitunter wenig zur individuellen Stadtgestaltung beitragen. Kaufen wir online bei lokalen Händlern, bleibt der Umsatz in unserer Stadt.
  • Gut für die Stadt-Finanzen
    Mehr als 500 000 Euro gehen einer Stadt in der Größenordnung Wiesbadens verloren, weil durch den Distanz-Handel die Gewerbesteuer nicht in der Stadt bleibt. Dabei sind weitere ökonomische Aspekte wie zum Beispiel Arbeitsplätze, die im Einzelhandel entstehen oder wegfallen noch nicht berücksichtigt.
  • Gut für die Umwelt
    Durch die Auslieferung mit Cargo-Bikes anstelle von Kleintransportern wird der Straßenverkehr entlastet und die Umwelt geschont. Laut einer EU-Studie könnten potentiell 51 Prozent des innerstädtischen Lieferverkehrs mit Lasten-Fahrrädern erfolgen. Neben einer besseren CO2-Bilanz schlägt sich das natürlich auch auf den Umfang der Luftverschmutzung nieder.

Die Lieferpauschale beträgt gerade mal 5 Euro. Das kann man wirklich verkraften, finde ich, und man spart sich mit dem Lieferdienst auch das Park-Ticket für den dicken SUV. 🙂 Win-Win, würde ich sagen. Die erste Lieferung ist sogar versandkostenfrei.

Wie es funktioniert

Was es zu kaufen gibt – mir läuft das Wasser im Mund zusammen – aber es gibt auch diverse Non-Food Artikel.

Kiezkaufhaus Facebook-Seite

Einkaufsgutschein für Langen

Seit vielen Jahren wurde in Langen überlegt, wie man die Kaufkraft der Menschen im Ort halten oder zurückholen kann. Denn nicht nur der online-Handel setzt den lokalen Geschäften zu, sondern natürlich auch die Verlockungen von großen Einkaufszentren außerhalb Langens.

Jetzt soll der Langener „Einkaufsgutschein“ helfen, dies zu ändern.

So sieht er also aus, der Einkaufsgutschein für Langen.
So sieht er also aus, der Einkaufsgutschein für Langen.

Die Idee ist nicht neu und wird schon in anderen Gegenden Deutschlands erfolgreich eingesetzt. Daher freue ich mich um so mehr, dass wir in Langen jetzt auch mitmachen.

Der Gutschein ist ein kleines Plastikkärtchen mit einem Wert von 5 oder 10 Euro. Es ist bei verschiedenen Ausgabestellen erhältlich und kann nur in teilnehmenden Langener Geschäften beim Einkauf eingelöst werden. Die Zahl der Geschäfte ist mit nahezu 60 durchaus beachtlich und kann sich in nächster Zeit noch weiter erhöhen. Für interessierte Händler gibt es dafür das pdf-Dokument vom Langener Gewerbeverein.

Ich denke, die Karte ist eine tolle Sache! Jeder, der schon mal etwas verschenken wollte, weiß, dass Gutscheine oft das Mittel der Wahl sind. Mit diesem Gutschein steht dem Beschenktem die ganze Vielfalt der Langener Läden offen. Die Zahl der teilnehmenden Geschäfte ist beachtlich und schon das Schmökern durch diese Liste lässt Shopping-Lust aufkommen. Langener (und Nicht-Langener) Bürger und Unternehmen können von nun an mit diesem Gutschein für strahlende Gesichter bei Händlern und Konsumenten sorgen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Gutschein zu Weihnachten für die Kollegen? Das geht ab jetzt ganz einfach…

Für die Zukunft wünsche ich mir die Möglichkeit, Gutscheine auch online bestellen zu können. Warum? Man kommt viel einfacher an den Gutschein heran und ist nicht an die Öffnungszeiten und Räumlichkeiten der Ausgabestellen gebunden. Trotzdem bleibt das Geld in der Stadt. Die Frage ist also eher: Warum nicht? Ach ein höherer Grundbetrag von vielleicht 50 Euro wäre auch nicht schlecht – für größere Geschenke muss man derzeit noch mit vielen Kärtchen hantieren.

Auf jeden Fall eine gute Sache. Ich bin total gespannt, wie der Gutschein angenommen wird und freue mich, dass hier die Stadt, der Gewerbeverein und die vielen Geschäfte an einem Strang ziehen. Jetzt ist es nur noch nötig, dass ein wenig Werbung gemacht wird: In sozialen Netzwerken genauso, wie durch Mundpropaganda und offline-Werbung. Dann, glaube ich, steht einem Erfolg des Gutscheins nichts mehr im Weg. Hier gibts noch mehr Infos über das ganze Projekt.

Gardinen aus dem Baumarkt

Für die einen ist eine Gardine in der Wohnung ja eher überflüssiges Beiwerk, für die anderen nicht weniger als ein Bilderrahmen der genau wie zugehörige Bild was hermachen muss. In unserer Küche muss zwar auch eine Gardine ihr Dasein fristen, aber vor allem wegen dem ganz profanen Zweck, uns vor den neugierigen Blicken der Nachbarn zu schützen. Und es sieht halt doch irgendwie besser aus, als ohne. Von daher zähle ich mich wohl eher zu den als zweites aufgezählten Leuten. Und seit einigen Monaten hängt über unserem Küchenfenster auch eine Gardinenstange in Wartestellung.

Irgendwann Mitte Dezember machten wir uns auf zum Baumarkt um die Ecke (wie genial!), um eine neue Gardinenstange und besagte Gardine zu kaufen. Beides hatten wir uns schnell ausgesucht. Wir erfuhren, dass man den Stoff von einem Nähservice in der richtigen Größe zunähen lassen kann. Super Service, wollen wir.

Leider, so sagte man uns, ging das aber gerade jetzt nicht, da sich die Baumarktkette erst kürzlich vom alten Servicedienstleister getrennt hat – wegen Qualitätsmängeln. Wir sollen in ca. zwei Wochen nochmal vorbei schauen, dann müssten auch die Verträge mit dem Nachfolger geklärt sein. Obwohl das unseren Plan durchkreuzte, hat die Begründung Vertrauen erweckt: man achtet hier also auf Qualität. Gerne kommen wir in zwei Wochen wieder.

Zwei Wochen später: Leider, so musste man uns jetzt mitteilen, verzögern sich die Gespräche mit dem Nachfolger noch. Wir sollten uns noch einmal um ein paar Wochen gedulden. Hm.

Mittlerweile stand Ostern vor der Tür, andere Erledigungen standen an und die Küchengardine verlor sich aus unserem Fokus. Im Garten begannen die ersten Blumen zu sprießen und unsere Gedanken begannen sich um Urlaub, den Garten und anderes zu drehen. Eines Tages musste neue Gartenerde her und eine Fahrt in den Baumarkt stand an. Ha!

Also fuhr ich vor etwa 14 Tagen wieder zum Baumarkt und machte dort zum dritten mal einen Abstecher beim Wohnbedarf. Leider war diesmal niemand von der Fachabteilung verfügbar. Allerdings hatte der nette Mitarbeiter einer anderen Abteilung auch noch nichts von einem neuen Lieferanten gehört. Er ließ sich unsere Telefonnummer geben und versprach, sich am nächsten Tag bei uns mit einer erhellenden Auskunft zu melden … auf die wir heute noch warten.

So eine Gardine ist ja zum Glück nicht wirklich lebensnotwendig.

Existenznöte

Vor wenigen Wochen ist, vielleicht etwas unbemerkt, die Nachricht durch die Medien gewandert, dass …

… bis zu 50.000 Läden in deutschen Innenstädten angesichts des Online-Handel-Booms in ernsthaften Existenznöten …

seien. So sah es der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der gleichzeitig vor einer Verödung der Innenstädte warnte. Leere Schaufenster in den Innenstädten würden zu einer Abwärtsspirale führen, und die Stadtzentren verlören so an Attraktivität. Ich glaube ja, dass das Problem eigentlich woanders liegt. Deswegen hole ich gleich etwas weiter aus…

Copyright by Uwe Scholz - Mail to u.scholz83@gmx.de

Aufgewachsen bin ich auf einem Dorf und es war daher für mich immer etwas besonderes, wenn es mit den Eltern in die nächste Kleinstadt zum Einkaufen ging. In fast jeder Straße gab es das ein oder andere kleine Geschäft, und irgendwo konnte irgendwie jeder meiner Wünsche erfüllt werden. Und dann wurde außerhalb der Stadt ein riesiger Tempel eröffnet: Ein „Kaufland“ und direkt daneben ein Baumarkt.

In Ostdeutschland muss die Zeit nach der Wende für solche Märkte eine wahre Goldgrube gewesen sein. Zwar hatten bald nach dem Mauerfall auch viele Läden in der Innenstadt ihr Warenangebot auf die neue bunte Welt umgestellt. Aber dieser eine Tempel außerhalb meiner Heimatstadt hatte einige Asse im Ärmel, mit denen kein anderer Laden mithalten konnte:

  • Es gab eine riesige Verkaufsfläche, in der man sich verlaufen konnte.
  • Man bekam einfach alles, was das Herz begehrte, in einem einzigen Einkauf.
  • Endlich konnte man sich soviel man wollten selber aus dem Regal nehmen. Ohne von einem Verkäufer beäugt zu werden.
  • Und am allerwichtigsten: es gab einen gigantischen Parkplatz. FÜR ALLE!

Abgesehen davon, dass man dort zu Fuß oder mit dem Fahrrad nur schwerlich hinkam, konzentriert sich nun seit vielen Jahren das bürgerliche Wochenend-Treiben um diesen Tempel. Für Besitzer eines motorisierten Unterbaus ist dieses abgelegene Einkaufsviertel immer eine Spritztour wert. Deswegen haben sich dort alsbald noch viele andere Geschäfte angesiedelt: Tankstellen, Auto-Werkstätten, Autohäuser, eine Bowlingbahn mit Kneipe, Geschäfte für Immobilien, etc. pp. Direkt neben Kaufland gibt es außerdem noch einen Technik-Markt und zwei Bekleidungsgeschäfte.

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Diese Entwicklung hat ihre Spuren hinterlassen und mit der Zeit mussten die ersten Händler in der Innenstadt aufgeben. Alteingesessene Tante Emma Läden waren als erste dran, dann Zeitschriften-Geschäfte, verschiedene Klamotten-Läden, aber auch Restaurants und Lokale. Erst kürzlich musste die einzige Buchhandlung weit und breit schließen (die aber später von zwei tollen ehemaligen Mitarbeiterinnen wieder eröffnet wurde). Der Zerfall geschah nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den kleinen umliegenden Städten und Gemeinden. Und er hält bis heute an*. In verschiedenen Stadtteilen öffneten außerdem verschiedene Discounter, nachdem alte „Kaufhallen“ geschlossen wurden, in denen es bisher ausschließlich Nahrungsmittel und Drogerieartikel zu kaufen gab.

Auch in Langen, der Stadt, in der wir heute wohnen, gibt es mehrere Discounter. Bevor ich einen „Werbung-Stopp“-Schild auf unseren Briefkasten klebte, hatten wir auch noch regelmäßig deren Werbung im Briefkasten. Aber irgendwann merkte ich, dass wir eigentlich nur noch dabei waren, den Aktionswochen von Lidl, Aldi & Co hinterherzugeifern:

  • „Oh, schau mal, nächste Woche gibt’s Schreibutensilien für’s Büro. Brauchen wir!“
  • „Wandersachen und -Ausrüstung! Wir könnten doch demnächst endlich mal wieder Wandern gehen, brauchen wir da nicht auch dieses tolle Survival-Kit? Wow, kostet nur xx Euro! Gleich morgen hol ich’s uns.“
  • „Ah, endlich gibt’s wieder was für’s Fahrrad. Ich brauchte doch schon lange eine neue Luftpumpe/Flickzeug/Fahrradtasche…“

Und so ging es in einem fort. Immer und immer wieder, jede Woche auf’s Neue. Und da fragte ich mich irgendwann: Ist es wirklich nötig, nur dann bestimmte Dinge zu kaufen, wenn sie in der Discounter-Werbung stehen? Warum haben wir sie nicht in einem der vielen Läden besorgt, die genau diese Ware immer anbieten? Bei denen es Beratung, Fachwissen und eine viel größere Auswahl gibt. Hätte es nicht auch die Fitness-Matte, das Schreibset, die grüne Blumenvase, und, und ,und vom Schreibwarengeschäft oder vom Kaufhaus gegenüber getan?

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Zugegeben, die Waren dort sind teurer als beim Discounter und sie werden im Zweifel auch nicht unter ökologischen oder sozialen Gesichtspunkten hergestellt. Aber die Gewinne, die in den kleinen Geschäften der Stadt gemacht werden, die bleiben hier! Zum Beispiel kümmert sich das Kaufhaus um die Ecke darum, dass die Fassade und die Straße drum herum gut aussieht und fußgängerfreundlich ist. Dort können sich Mitarbeiter verwirklichen und haben echte, fordernde Aufgaben, manchmal ein ganzes Arbeitsleben lang. Ganz zu schweigen davon, dass lokale Geschäfte sich als Sponsoren von hiesigen Vereinen hervortun und damit den sozialen Zusammenhalt in der Stadt stärken. Welcher Discounter kann damit schon für sich werben?

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Zwar behauptet der Städte- und Gemeindebund, der neue Feind des stationären Handels seien Geschäfte im Internet, aber das sehe ich nicht so. Denn der wahre Feind sind die Discounter, die unschlagbar gut darin sind, Bedürfnisse zu erschaffen, indem sie nur für kurze Zeit bestimmte Haushaltswaren anbieten, die Gewinne abgreifen, ihre Angestellten zum Teil wie Sklaven behandeln und nicht viel zur Gesellschaft beitragen.

Heute scheint mir diese Entwicklung nur schwer aufhaltbar zu sein. Das macht mich traurig, weil die großen Ketten noch reicher und und noch mächtiger werden und damit die Preise bestimmen können. Und in der Konsequenz tatsächlich viele Innenstädte veröden. Der einzige Ausweg aus dieser Situation ist, dass sich Konsumenten endlich ihrer Macht im Geldbeutel bewusst werden. Aber statt dessen wird oft über die teuren kleinen Läden genörgelt (oft von denen, die es sich leisten könnten) und nicht daran gedacht, dass diese keine mächtige Einkaufsabteilung im Backoffice haben.

Copyright by Uwe Scholz - Mail to u.scholz83@gmx.de


* Natürlich spielt auch der Wegfall von ehemaligen Großbetrieben in der Gegend eine Rolle für diesen Verlauf, wie z.B. den stillgelegten LPGs, den nahe gelegenen Kohlefabriken und Stromkraftwerken. Dies führte kurzfristig zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit und mittel- bis langfristig zu einem starken Bevölkerungsschwund und damit Kaufkraftverlust.

„Tante Emmas Facebook Page“

Für kleine und mittelständige Unternehmen ist Kundenbindung im Internet keine einfache Aufgabe. In dem interessanten Artikel vom BIEG Hessen über Tante Emmas Facebook Page werden interessante und wichtige Tipps für Unternehmen gegeben, die sich diesen Schritt ins soziale Netz überlegen.

In unserer Stadt gibt es leider genug Geschäfte, die schon bei der Gestaltung ihrer Schaufenster einiges an Nachhilfe-Unterricht benötigen. Neben defekten Tastaturen in der Auslage im IT-Geschäft gibt es andere, bei denen die Werbung auf selbstbeschriebenen DIN-A4 Zetteln ins Fenster gehängt wird. Schönschrift? Kommt nicht in Frage. Hübsche Verzierungen? Denkste! Jeden Tag, an dem ich dort vorbei komme, schüttelt es mich. Da können die Produkte noch so hochwertig sein, wenn das Schaufenster lieblos gestaltet ist, hat der Laden für mich verloren. In so einem Fall sollten die Ladenbesitzer eine eigene Internet- bzw. Facebookseite erst mal ganz nach hinten stellen.

Im Internet kann man sich dabei vor guten Anleitungen zur Schaufenstergestaltung kaum retten. Hier ein paar Beispiele:

… etc.

Vielleicht werfe ich so einen Linktipp in den Briefkasten des betreffenden Ladens? Manche Leute muss man ja hin und wieder zu ihrem Glück zwingen.